»Bücher sind Wege, die nirgendwohin führen, auf die man sich aber dennoch begeben muss, um sich zu verirren und wieder zu finden oder um etwas zu finden, was auch immer, ein Buch, eine Geste, einen verlorenen Gegenstand, irgendetwas, vielleicht eine Methode, mit etwas Glück: das Neue, das, was immer schon da war.«
Der letzte Roman, den Roberto Bolaño vor seinem Tod in Spanien schrieb, gehört zu seinen großen Werken. Voller Melancholie und Finsternis, ist er eine brillante Satire auf unsere von Trash und Gewalt dominierte Kultur der Gegenwart. Schauplatz ist Rom, wo sich Bianca und ihr Bruder mit den schäbigsten Jobs durchschlagen. Ihre Freizeit verbringen sie mit Pornofilmen und Quizshows - bis eines Tages der Plan reift, den Tresor von Maciste zu knacken, einem erblindeten Bodybuilder und B-Star aus den fünfziger Jahren. Um den Safe auszukundschaften, gibt sich Bianca Nacht für Nacht dem glatzköpfigen Muskelprotz hin. Doch als das Verbrechen vergeblich scheint, dreht sie schließlich den Spieß um. Die erste Auflage des Buches erscheint wieder in bibliophiler Ausstattung.
"Roberto Bolanos "Lumpenroman" erzählt von einer räudigen Jugend und vom Erwachsenwerden als Höllenfahrt. Bianca beschreibt das Lebensgefühl heutiger Jugendlicher in Italien, in einer kranken, kaputten Gesellschaft. Diese Bianca ist Weltliteratur. Bolanos unvollendetes Werk umgibt die schmerzhafte Schönheit eines Torsos. Ein Wunder ist jeder Fund, mit dem Bolano aufs Neue berückt." Christopher Schmidt, Süddeutsche Zeitung, 17.08.10