»Für den wirklichen Schriftsteller sind Bücher die einzige Heimat, Bücher, die auf Regalen stehen oder in seiner Erinnerung.«
Roberto Bolaño in Literatur und Exil
»Für den wirklichen Schriftsteller sind Bücher die einzige Heimat, Bücher, die auf Regalen stehen oder in seiner Erinnerung.«
Roberto Bolaño in Literatur und Exil

Roberto Bolaño wurde am 28. April 1953 in Santiago de Chile geboren. Bereits in seiner Kindheit reiste er wegen der häufigen Umzüge seiner Familie kreuz und quer durch das Andenland. Als Schüler litt er an Legasthenie, mit 13 Jahren zog er mit seinen Eltern nach Mexiko City, der größten lateinamerikanischen Metropole. Dort verbrachte er seine Jugend in Bücher versunken.
Zusammen mit dem mexikanischen Dichter Mario Santiago gründete der Schulabbrecher Bolaño die avantgardistische Gruppe der »Infrarealisten«, die gegen etablierte Schriftsteller rebellierten und deren Lesungen lautstark sabotierten. Bolaño führte das Leben eines wilden Poeten, voller Ausschweifungen, Drogen und absoluter Leidenschaft für die Literatur. »Hätte ich damals Mexiko nicht verlassen, wäre ich verreckt«, bekannte Bolaño in einem seiner letzten Interviews.
Einmal aber verließ er Mexiko, 1973, als in seinem Heimatland der Militärgeneral Pinochet gegen die rechtmäßig gewählte Regierung von Salvador Allende putschte. Er trat eine legendäre Busreise quer durch den Kontinent an, um die linke Opposition zu unterstützen, landete aber im Gefängnis und kehrte wenig später nach Mexiko zurück.
Dann suchte er wie so viele Lateinamerikaner sein Glück in Spanien: In Blanes, einem Küstenort in der Nähe Barcelonas, ließ er sich mit seiner Frau nieder, und dort wurden seine zwei Kinder, Lautaro und Alexandra, geboren. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Kellner, Tellerwäscher, Campingwächter und mit anderen Gelegenheitsarbeiten.
Mit dem Romanschreiben begann der wilde Dichter nach eigener Aussage, um seine Familie ernähren zu können. Doch das gelang ihm lange Zeit nicht. Bis 1998, als er den Premio Rómulos Gallegos gewann, war er ein völlig unbekannter Schriftsteller, der ein Schattendasein fristete. Der Ruhm sollte jedoch nur sehr kurz währen – fünf Jahre.
Am 14. Juli 2003 starb Roberto Bolaño, während er auf eine Lebertransplantation wartete. Wie sehr ihm der Atem des Todes im Nacken saß, wusste er – in seinen letzten Jahren schrieb Bolaño wie ein Besessener ein Buch nach dem anderen, aber eins vor allem: 2666, sein literarisches Vermächtnis.